{"id":1474,"date":"2025-02-21T09:33:00","date_gmt":"2025-02-21T09:33:00","guid":{"rendered":"https:\/\/gug.uharek.com\/?p=1474"},"modified":"2026-03-01T09:36:02","modified_gmt":"2026-03-01T09:36:02","slug":"extrem-laut-und-unglaublich-nah-am-schauspielhaus-kiel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gug.uharek.com\/?p=1474","title":{"rendered":"Extrem laut und unglaublich nah am Schauspielhaus Kiel"},"content":{"rendered":"\n<p>Kiel.&nbsp;Ein bisschen habe sie sich gef\u00fchlt wie ein Bildhauer, erz\u00e4hlt Nora Bussenius. \u201eIch hatte diesen gro\u00dfen Klotz vor mir \u2013 und dann sammelt man, was es an Dialogen gibt, was wichtig ist und was verzichtbar. \u00dcberlegt, wie man den Text auf die Figuren verteilt. Und wird mit jedem Schritt immer feiner und feiner.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die Rede ist von der B\u00fchnenfassung des Romans \u201eExtrem laut und unglaublich nah\u201c (2005) von Jonathan Safran Foer. Nora Bussenius hat die Geschichte des neunj\u00e4hrigen Oskar, der mit dem Verlust seines Vaters im Terroranschlag von 9\/11 und seiner Trauer leben lernen muss, eigens f\u00fcr das&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.kn-online.de\/kultur\/regional\/theater-kiel-was-oper-schauspiel-ballett-in-der-saison-202425-bieten-GF7JJSTJVVGUPJWTEMHSDOQWJI.html\">Kieler Schauspiel<\/a>&nbsp;bearbeitet. Und sie hat aus 480 Seiten und einer wildw\u00fcchsig durch Zeiten, Orte, Themen m\u00e4andernden Erz\u00e4hlung ein Theaterst\u00fcck destilliert.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"in-extrem-laut-und-unglaublich-nah-geht-es-um-verlust-und-trauer\">In \u201eExtrem laut und unglaublich nah\u201c geht es um Verlust und Trauer<\/h2>\n\n\n\n<p>Dabei ist der Stoff in verschiedenen Fassungen schon l\u00e4nger auf den B\u00fchnen pr\u00e4sent. \u201eDa geht es meist um die Kriminalgeschichte \u2013 um den Schl\u00fcssel, den Oskar in den Sachen des Vaters findet\u201c, sagt die Regisseurin, die von K\u00f6ln bis Chemnitz und am Landestheater SH gefragt ist und nun erstmals in Kiel arbeitet. Nur ein Aspekt von vielen, wie sie erg\u00e4nzt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEigentlich geht es gar nicht um 9\/11\u201c, sagt Nora Bussenius. Das US-amerikanische Trauma ist f\u00fcr sie eher Metapher f\u00fcr eine \u201eArt von Verlust oder Schicksal, die sich jederzeit in unser Leben bohren kann \u2013 und f\u00fcr die Angst davor\u201c. Wichtig ist der 43-J\u00e4hrigen auch, dass der tote Vater auf der B\u00fchne erscheint, ebenso wie die Jugendliebe des Gro\u00dfvaters, die im Dresdner Bombenangriff starb. \u201eDie Toten leben ja mit uns \u2013 sie sind da\u201c, sagt Bussenius, \u201eund um Oskars Verlust nachzuvollziehen, brauchte es erstmal eine Beziehung.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"wie-ein-bestseller-in-kiel-auf-die-buhne-kommt\">Wie ein Bestseller in Kiel auf die B\u00fchne kommt<\/h2>\n\n\n\n<p>So kam die Regisseurin schnell auf eine Art Familienaufstellung als Basis f\u00fcr ihre Inszenierung. \u201eDas Spannende ist, wie die Vergangenheit in die Gegenwart wirkt\u201c, sagt sie. \u201eUnd wie viele Familien \u00fcber Generationen Dinge verschweigen. Es geht im St\u00fcck eben auch um Kommunikation.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sechs Schauspielerinnen und Schauspieler und zw\u00f6lf Statisten sind im Einsatz, wenn Oskar seine Odyssee durch New York antritt, alle m\u00f6glichen Menschen mit dem Namen \u201eBlack\u201c aufsucht, um dem Geheimnis des Schl\u00fcssels auf die Spur zu kommen. Oskar, dessen Rolle&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.theater-kiel.de\/mitarbeiter\/profil\/von\/tristan-taubert\">Tristan Taubert<\/a>&nbsp;\u00fcbernimmt, ist f\u00fcr Nora Bussenius der rote Faden im St\u00fcck: \u201eEs ist seine Geschichte, die wir erleben. Er pendelt zwischen der Haltung des Conf\u00e9renciers und der Figur, die in die Szenen driftet und dann wieder ausgespuckt wird.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der Regisseurin geht es darum, auf der B\u00fchne einen Kosmos zu erschaffen. \u201eEin Kaleidoskop von Gedanken \u00fcber das Leben und die Menschen, in das man eintauchen kann.\u201c Die gr\u00f6\u00dfte Schwierigkeit dabei? \u201eDas Schwere und das Leichte auszutarieren.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"jugendlicher-held-mit-dem-anderen-blick\">Jugendlicher Held mit dem anderen Blick<\/h2>\n\n\n\n<p>Wichtig ist f\u00fcr Nora Bussenius in der Inszenierung die Drehb\u00fchne im Schauspielhaus \u2013 und der Turm, den B\u00fchnenbildner Sebastian Ellrich als zentrales Raumelement erdacht hat. \u201eDie Idee hatten wir schon fr\u00fch\u201c, so die Regisseurin, \u201eirgendwo zwischen Wolkenkratzer und Fahrstuhl.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Dazu geh\u00f6rt au\u00dferdem das Sounddesign von Daniel Dorsch. \u201eErst mal war das Buch f\u00fcr mich die Innenansicht eines Jungen, der seinen Vater verloren hat \u2013 Musik im herk\u00f6mmlichen Sinn erschien mir da wenig sinnvoll\u201c, erz\u00e4hlt der Klangt\u00fcftler und B\u00fchnenmusiker. \u201eAlso habe ich den St\u00fccktitel w\u00f6rtlich genommen und versucht, so eine Art Drone zu erzeugen, der eben immer pr\u00e4sent ist. Einen Laut, der nervt und dr\u00fcckt, der aber auch leise sein kann.\u201c Ein St\u00f6rton im Alltag.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kiel.&nbsp;Ein bisschen habe sie sich gef\u00fchlt wie ein Bildhauer, erz\u00e4hlt Nora Bussenius. \u201eIch hatte diesen gro\u00dfen Klotz vor mir \u2013 und dann sammelt man, was es an Dialogen gibt, was wichtig ist und was verzichtbar. \u00dcberlegt, wie man den Text auf die Figuren verteilt. Und wird mit jedem Schritt immer feiner und feiner.\u201c Die Rede ist von der B\u00fchnenfassung des Romans \u201eExtrem laut und unglaublich nah\u201c (2005) von Jonathan Safran Foer. Nora Bussenius hat die Geschichte des neunj\u00e4hrigen Oskar, der mit dem Verlust seines Vaters im Terroranschlag von 9\/11 und seiner Trauer leben lernen muss, eigens f\u00fcr das&nbsp;Kieler Schauspiel&nbsp;bearbeitet. Und sie hat aus 480 Seiten und einer wildw\u00fcchsig durch Zeiten, Orte, Themen m\u00e4andernden Erz\u00e4hlung ein Theaterst\u00fcck destilliert. In \u201eExtrem laut und unglaublich nah\u201c geht es um Verlust und Trauer Dabei ist der Stoff in verschiedenen Fassungen schon l\u00e4nger auf den B\u00fchnen pr\u00e4sent. \u201eDa geht es meist um die Kriminalgeschichte \u2013 um den Schl\u00fcssel, den Oskar in den Sachen des Vaters findet\u201c, sagt die Regisseurin, die von K\u00f6ln bis Chemnitz und am Landestheater SH gefragt ist und nun erstmals in Kiel arbeitet. Nur ein Aspekt von vielen, wie sie erg\u00e4nzt. \u201eEigentlich geht es gar nicht um 9\/11\u201c, sagt Nora Bussenius. Das US-amerikanische Trauma ist f\u00fcr sie eher Metapher f\u00fcr eine \u201eArt von Verlust oder Schicksal, die sich jederzeit in unser Leben bohren kann \u2013 und f\u00fcr die Angst davor\u201c. Wichtig ist der 43-J\u00e4hrigen auch, dass der tote Vater auf der B\u00fchne erscheint, ebenso wie die Jugendliebe des Gro\u00dfvaters, die im Dresdner Bombenangriff starb. \u201eDie Toten leben ja mit uns \u2013 sie sind da\u201c, sagt Bussenius, \u201eund um Oskars Verlust nachzuvollziehen, brauchte es erstmal eine Beziehung.\u201c Wie ein Bestseller in Kiel auf die B\u00fchne kommt So kam [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1475,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1474","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/gug.uharek.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1474","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/gug.uharek.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/gug.uharek.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gug.uharek.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gug.uharek.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1474"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/gug.uharek.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1474\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1476,"href":"https:\/\/gug.uharek.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1474\/revisions\/1476"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gug.uharek.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1475"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/gug.uharek.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1474"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/gug.uharek.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1474"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/gug.uharek.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1474"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}