{"id":397,"date":"2015-01-28T13:42:48","date_gmt":"2015-01-28T13:42:48","guid":{"rendered":"http:\/\/zde.uharek.com\/gug\/?p=397"},"modified":"2015-02-22T13:48:59","modified_gmt":"2015-02-22T13:48:59","slug":"sibelius-abend-mit-simon-rattle-und-leonidas-kavakos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gug.uharek.com\/?p=397","title":{"rendered":"Sibelius-Abend mit Simon Rattle und Leonidas Kavakos"},"content":{"rendered":"<p>Berliner Philharmoniker<br \/>\nSir Simon Rattle Dirigent<br \/>\nLeonidas Kavakos Violine<br \/>\nJean Sibelius<\/p>\n<p>Symphonie Nr. 3 C-Dur op. 52<br \/>\nJean Sibelius<\/p>\n<p>Konzert f\u00fcr Violine und Orchester d-Moll op. 47<\/p>\n<p>Leonidas Kavakos Violine<br \/>\nJean Sibelius<\/p>\n<p>Symphonie Nr. 4 a-Moll op. 63<\/p>\n<p>\u00bbStrenge, Stil und Logik\u00ab<br \/>\nDie Symphonien und das Violinkonzert von Jean Sibelius<br \/>\nPositionsbestimmungen<\/p>\n<p>\u00bbDie moderne Symphonie ist ein Tonwerk f\u00fcr volles Orchester, nach den Formumrissen und der inneren Gliederung eine Gattung der Sonate, sie besteht gew\u00f6hnlich aus vier S\u00e4tzen: Allegro, Andante oder Adagio oder Largo, Menuett oder Scherzo und Allegro oder Final.\u00ab So einfach, kurz und b\u00fcndig diese Definition einer \u00bbmodernen Symphonie\u00ab in Oscar Pauls Handlexikon der Tonkunst (Leipzig 1873) auch scheint, so wenig konnte sie einem \u00bbmodernen\u00ab Komponisten des sp\u00e4ten 19. Jahrhunderts als Wegweiser dienen: Wer damals einem \u00bbTonwerk f\u00fcr volles Orchester\u00ab den Gattungstitel \u00bbSymphonie\u00ab gab, musst eine zentnerschwere Last schultern.<\/p>\n<p>Mitte des 18. Jahrhunderts hatte sich die Form der Sinfonia\u2013 der italienischen Opern-Ouvert\u00fcre \u2013 als eigenst\u00e4ndiges, dreis\u00e4tziges Orchesterwerk herausgebildet und war schnell in ganz Europa angenommen worden. Komponisten wie Giovanni Battista Sammartini, Luigi Boccherini und Fran\u00e7ois-Joseph Gossec, die Bach-S\u00f6hne und die K\u00f6pfe der \u00bbMannheimer Schule\u00ab bereiteten ihr den Weg zur \u00fcberreichen Bl\u00fctezeit der Wiener Klassik \u2013 zu den Symphonien Joseph Haydns und Wolfgang Amadeus Mozarts. Doch bereits 1824 erreichte die Gattung mit Ludwig van Beethovens Neunter einen Punkt, nach dem das Schreiben von Symphonien obsolet, wenn nicht unm\u00f6glich geworden zu sein schien. \u00bbDie Symphoniker seit Beethoven haben die Form nicht mehr weiter zu entwickeln vermocht\u00ab, stellt 1894 Hugo Riemanns Musik-Lexikon in seiner 4. Auflage fest; \u00bbnichtsdestoweniger w\u00fcrde es ein arger Fehlschu\u00df [sic!] sein, wollte man sie als ausgelebt ansehen; die Symphonien von Schumann, Brahms, Raff, Anton Rubinstein beweisen, da\u00df sie noch zur F\u00fcllung mit immer neuem Inhalt tauglich ist.\u00ab Weniger optimistisch \u00e4u\u00dfert sich 1889 Sir George Grove in seinem Dictionary of Music and Musicians: \u00bb[\u2026] when there is room for individual expression there is still good work to be done, though we can hardly hope that even the greatest composers of the future will surpass the symphonic triumphs of the past, whatever they may do in other fields of composition.\u00ab (\u00bb [\u2026] wo es Raum f\u00fcr individuellen Ausdruck gibt, da gibt es noch eine ganze Menge zu tun, obgleich wir kaum hoffen d\u00fcrfen, dass selbst die gr\u00f6\u00dften Komponisten der Zukunft die symphonischen Triumphe der Vergangenheit \u00fcberbieten werden, was auch immer sie in anderen Musikgattungen leisten m\u00f6gen.\u00ab)<\/p>\n<p>Manche \u2013 zum Beispiel Franz Liszt oder Richard Strauss \u2013 suchten ihr Heil in der Flucht in freiere, oft programmatische Formen, f\u00fcr die Hector Berlioz 1830 mit seiner (eigentlich nur dem Namen nach der Gattung zugeh\u00f6rigen) Symphonie fantastique den ersten Impuls gegeben hatte. H\u00f6chstens im Umfeld einiger nationaler Schulen des 19. Jahrhunderts genoss die Symphonie noch ein gewisses Ansehen, wie die entsprechenden Werke von Niels Wilhelm Gade, Anton\u00edn Dvo\u0159\u00e1k, Alexander Borodin, Nikolai Rimsky-Korsakow oder Peter Tschaikowsky zeigen. Sp\u00e4testens im symphonischen Kosmos Gustav Mahlers jedoch schien sich das klassisch-romantische Modell endg\u00fcltig \u00fcberlebt zu haben. Wer danach noch an der viers\u00e4tzigen Ordnung von Sonatenhauptsatzform, dreiteiliger Liedform, Scherzo und Finale festhielt, positionierte sich damit entweder als Eklektiker oder als Neoklassizist.<\/p>\n<p>So jedenfalls stellt sich das Bild der Gattung dar, wenn man es aus mitteleurop\u00e4ischer, gewisserma\u00dfen \u00bbaustro-germano-zentrischer\u00ab Perspektive betrachtet. Nimmt man freilich einen anderen, gesamteurop\u00e4ischen Blickwinkel ein, so zeigt sich, dass die Symphonie gerade in den jeweils zehn, zw\u00f6lf Jahren vor und nach dem Ersten Weltkrieg durchaus nicht so aus der Mode gekommen war, wie es ihre relative Vernachl\u00e4ssigung in Deutschland und \u00d6sterreich vermuten lassen k\u00f6nnte. Selbst wenn man sich auf jene Komponisten beschr\u00e4nkt, deren Namen auch heute noch einen gewissen Klang im Konzertleben haben, ist die Liste an Symphonikern erstaunlich lang: In Frankreich w\u00e4ren Vincent d\u2019Indy, Alb\u00e9ric Magnard, Henri Rabaud, Joseph Guy Ropartz, Albert Roussel und Charles Tournemire zu nennen, in Russland Alexander Glasunow, Reinhold Gli\u00e8re, Wassili Kalinnikow, Nikolai Miaskowsky, Sergej Prokofjew, Sergej Rachmaninow, Alexander Skrjabin und Maximilian Steinberg, in England Edward Elgar und Ralph Vaughan-Williams, in Tschechien Josef Bohuslav Foerster und Josef Suk, in Polen Karol Szymanowski, in D\u00e4nemark Carl Nielsen \u2013 und in Finnland Jean Sibelius, dessen sieben Symphonien im Zeitraum eben jenes Vierteljahrhunderts vor und nach dem Ersten Weltkrieg entstanden, zwischen 1898\/1999 und 1924.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Berliner Philharmoniker Sir Simon Rattle Dirigent Leonidas Kavakos Violine Jean Sibelius Symphonie Nr. 3 C-Dur op. 52 Jean Sibelius Konzert f\u00fcr Violine und Orchester d-Moll op. 47 Leonidas Kavakos Violine Jean Sibelius Symphonie Nr. 4 a-Moll op. 63 \u00bbStrenge, Stil und Logik\u00ab Die Symphonien und das Violinkonzert von Jean Sibelius Positionsbestimmungen \u00bbDie moderne Symphonie ist ein Tonwerk f\u00fcr volles Orchester, nach den Formumrissen und der inneren Gliederung eine Gattung der Sonate, sie besteht gew\u00f6hnlich aus vier S\u00e4tzen: Allegro, Andante oder Adagio oder Largo, Menuett oder Scherzo und Allegro oder Final.\u00ab So einfach, kurz und b\u00fcndig diese Definition einer \u00bbmodernen Symphonie\u00ab in Oscar Pauls Handlexikon der Tonkunst (Leipzig 1873) auch scheint, so wenig konnte sie einem \u00bbmodernen\u00ab Komponisten des sp\u00e4ten 19. Jahrhunderts als Wegweiser dienen: Wer damals einem \u00bbTonwerk f\u00fcr volles Orchester\u00ab den Gattungstitel \u00bbSymphonie\u00ab gab, musst eine zentnerschwere Last schultern. Mitte des 18. Jahrhunderts hatte sich die Form der Sinfonia\u2013 der italienischen Opern-Ouvert\u00fcre \u2013 als eigenst\u00e4ndiges, dreis\u00e4tziges Orchesterwerk herausgebildet und war schnell in ganz Europa angenommen worden. Komponisten wie Giovanni Battista Sammartini, Luigi Boccherini und Fran\u00e7ois-Joseph Gossec, die Bach-S\u00f6hne und die K\u00f6pfe der \u00bbMannheimer Schule\u00ab bereiteten ihr den Weg zur \u00fcberreichen Bl\u00fctezeit der Wiener Klassik \u2013 zu den Symphonien Joseph Haydns und Wolfgang Amadeus Mozarts. 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