{"id":433,"date":"2015-09-12T06:29:51","date_gmt":"2015-09-12T06:29:51","guid":{"rendered":"http:\/\/zde.uharek.com\/gug\/?p=433"},"modified":"2015-09-12T06:33:08","modified_gmt":"2015-09-12T06:33:08","slug":"eroeffnungskonzert-musikfest-berlin-arnold-schoenberg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gug.uharek.com\/?p=433","title":{"rendered":"Er\u00f6ffnungskonzert Musikfest Berlin: Arnold Sch\u00f6nberg"},"content":{"rendered":"<p>Staatskapelle Berlin<\/p>\n<p>Er\u00f6ffnungskonzert<\/p>\n<p>Arnold Sch\u00f6nberg [1874\u20131951]<br \/>\nVerkl\u00e4rte Nacht f\u00fcr Streichorchester op. 4 [1899\/1917]<\/p>\n<p>Arnold Sch\u00f6nberg<br \/>\nF\u00fcnf Orchesterst\u00fccke op. 16 [1909]<\/p>\n<p>Arnold Sch\u00f6nberg<br \/>\nVariationen f\u00fcr Orchester op. 31 [1926\u20131928]<\/p>\n<p>Eine Veranstaltung der Berliner Festspiele \/ Musikfest Berlin<br \/>\nin Kooperation mit der Staatsoper Unter den Linden<\/p>\n<p>Staatskapelle Berlin<br \/>\nDaniel Barenboim Leitung<\/p>\n<p>\u201eEs gelang ihm, all das, was vor ihm geschrieben wurde, zusammenzufassen \u2013 und doch zeigt er uns im gleichen Moment den Weg in die Zukunft.\u201c Mit diesen pointierten Worten benannte Daniel Barenboim die epochale Leistung des Komponisten Arnold Sch\u00f6nberg. Der leidenschaftliche wie charismatische Sch\u00f6nberg-Interpret deutete damit zugleich an, welcher Herausforderung sich jeder Musiker, der sich mit dem Komponisten besch\u00e4ftigt, bis heute zu stellen hat: N\u00e4mlich der Herausforderung, in jedem Moment der Auff\u00fchrung die Gegenpole in der musikalischen Pers\u00f6nlichkeit dieses janusk\u00f6pfigen K\u00fcnstlers auf gedanklich klare und zugleich sinnliche Weise in Verbindung zu bringen. Dass Sch\u00f6nberg zugleich Denker und Geschichtenerz\u00e4hler, Bilderst\u00fcrmer und Klangfarbenmaler, Nostalgiker und Vision\u00e4r sein konnte, das ist in drei Schl\u00fcsselwerken aus seinen zentralen Schaffensphasen zu h\u00f6ren. In ihnen l\u00e4sst sich unter anderem erleben, wie Sch\u00f6nberg das n\u00e4chtliche Gest\u00e4ndnis einer verschwiegenen Vaterschaft auf provozierende Weise romantisch schildert, die Farben eines Sommermorgens am See expressionistisch deutet und seinen endg\u00fcltigen Aufbruch in die Moderne mit den T\u00f6nen B-A-C-H signiert.<\/p>\n<p>Das Musikfest Berlin 2015 er\u00f6ffnet damit sein diesj\u00e4hriges Programm. In den darauffolgenden Konzerten tritt das Schaffen Arnold Sch\u00f6nbergs zusammen mit der Musik seines Zeitgenossen, dem D\u00e4nen Carl Nielsen, in einen Dialog mit den Werken Gustav Mahlers.<\/p>\n<p>TAGESPIEGEL<\/p>\n<p>Er\u00f6ffnung Musikfest Berlin<br \/>\nEwige Avantgarde<br \/>\n04.09.2015 Von Frederik Hanssen<\/p>\n<p>Prek\u00e4re Liebesszenen: Daniel Barenboim und die Staatskapelle er\u00f6ffnen das Musikfest Berlin mit Werken von Arnold Sch\u00f6nberg und erweisen sich als erhellende Erz\u00e4hler mit bewundernswerter Konzentrationsf\u00e4higkeit. <\/p>\n<p>\u201eIch wei\u00df gar nicht, was immer f\u00fcr ein Gewese um diesen Sch\u00f6nberg gemacht wird\u201c, wendet sich die elegant gekleidete Dame auf dem Weg zum Pausensekt an ihren Gatten, \u201ediese Musik klingt doch gro\u00dfartig.\u201c Sicher, zu diesem Zeitpunkt hat die zuf\u00e4llig belauschte Besucherin nur den ersten Teil des Programms geh\u00f6rt, die sp\u00e4tromantisch \u201eVerkl\u00e4rte Nacht\u201c n\u00e4mlich, aus der Fr\u00fchphase des Komponisten. Doch Daniel Barenboim und seine Staatskapelle werden sich auch bei den atonalen \u201eF\u00fcnf Orchesterst\u00fccken\u201c sowie den zw\u00f6lft\u00f6nigen Variationen Opus 31 als eloquente F\u00fcrsprecher des Komponisten erweisen, der Maestro durchweg auswendig dirigierend, die Musiker mit bewundernswerter Konzentrationsf\u00e4higkeit. Langen, dankbaren Applaus erhalten sie daf\u00fcr am Ende dieses Er\u00f6ffnungsabends des Musikfests.<br \/>\nDrei Meister der Moderne stellt Winrich Hopp, der k\u00fcnstlerische Leiter, diesmal in den Mittelpunkt, drei M\u00e4nner, auf f\u00fcr die Sch\u00f6nbergs Diktum zutrifft: \u201eKunst ist der Notschrei jener, die an sich das Schicksal der Menschheit erleben.\u201c Gustav Mahler war derjenige unter den Wiener Komponisten, der an der Wende zum 20. Jahrhundert am st\u00e4rksten unter den Aufl\u00f6sungserscheinungen der alten Ordnung litt \u2013 und am sensibelsten die kommenden Katastrophen vorausahnte. Im fernen D\u00e4nemark horchte w\u00e4hrenddessen Carl Nielsen sehr genau auf die neuen T\u00f6ne, die das aus Zentraleuropa her\u00fcberklangen und verarbeitete sie in seinen Sinfonien, die sangliche Melodik und befreite Rhythmen auf faszinierende Weise zusammen bringen. Arnold Sch\u00f6nberg schlie\u00dflich, der j\u00fcngste des Trios, durchbrach \u2013 getrieben von einem manischen Ausdrucksfuror \u2013 die Grenzen der bis dahin als naturgegeben angesehenen Harmonik. Was ihm viele Klassikliebhaber bis heute ver\u00fcbeln. \u201eEs war mir nicht bestimmt, in der Art der ,Verkl\u00e4rten Nacht\u2019 weiterzumachen\u201c, sagte er r\u00fcckblickend. \u201eDer Oberkommandierende hat mir eine h\u00e4rtere Strafe anbefohlen.\u201c<br \/>\nS\u00fc\u00dfliche Harmonien und silbriges Pianissimo<\/p>\n<p>In seinem Portr\u00e4tkonzert macht Daniel Barenboim deutlich, welche enorme Strecke der Komponist auf diesem Kreuzweg zur\u00fcckgelegt hat. Mit der ersten, von ihm selber als vollg\u00fcltig erachteten Partitur, legt der Autodidakt gleich ein Meisterwerk vor: Ein Gedicht Richard Dehmels, in dem eine Frau ihrem Geliebten bei einem n\u00e4chtlichen Spaziergang er\u00f6ffnet, dass sie von einem anderen schwanger ist, und der Mann verspricht, das im Mutterbauch wachsende Menschenwesen als sein eigenes anzusehen, inspiriert Sch\u00f6nberg zu einem Streicherst\u00fcck, das Wagners hypnotische \u201eTristan\u201c-Kl\u00e4nge mit der Dichte von Brahms\u2019 Kammermusik sowie Richard Strauss\u2019 Konzept der sinfonischen Dichtung verbindet.<br \/>\nErhellend vermag Barenboim die prek\u00e4re Liebesszene in der Philharmonie nachzuerz\u00e4hlen. In fahlen Klangfarben evoziert die Staatskapelle den \u201ekahlen, kalten Hain\u201c der Verse und das Licht des bleichen Mondes. Erst nach den erl\u00f6senden Worten des Mannes erlaubt der Dirigent seinen Musikern, W\u00e4rme in ihr Spiel einflie\u00dfen zu lassen. \u00dcppig bl\u00fchen die Kantilenen auf, bis hin zu den s\u00fc\u00dflichen Harmonien, die sp\u00e4ter zum Hollywood-Standard f\u00fcr jede love scene werden sollten. Ber\u00fcckend sch\u00f6n verklingt das Werk im silbrigen Pianissimo.<br \/>\nDaniel Barenboim und die Staatskapelle in der Philharmonie.Bild vergr\u00f6\u00dfern<br \/>\nDaniel Barenboim und die Staatskapelle in der Philharmonie. &#8211; Foto: Holger Kettner<\/p>\n<p>Ungemein frisch l\u00e4sst Barenboim dann die F\u00fcnf Orchesterst\u00fccke wirken: Nach dem Bruch mit dem Dur-Moll-System erz\u00e4hlt hier jeder Takt vom Gl\u00fcck der neuen Freiheit. Die Nichts-Muss-Alles- Kann-Regel gilt bis heute \u2013 doch wenig, was zur Urauff\u00fchrung kommt, klingt wirklich avancierter als diese 106 Jahre alte Suite. Als Sackgasse erwies sich dagegen Sch\u00f6nbergs Idee, die 12 T\u00f6ne der Oktave in ein neues Korsett zu zwingen. So transparent die Staatskapelle das komplexe kontrapunktische Gewebe der Orchestervariationen auch ausf\u00fchrt, ein Restunbehagen bleibt, ein Gef\u00fchl von Sterilit\u00e4t und mathematischer Ausgez\u00e4hltheit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Staatskapelle Berlin Er\u00f6ffnungskonzert Arnold Sch\u00f6nberg [1874\u20131951] Verkl\u00e4rte Nacht f\u00fcr Streichorchester op. 4 [1899\/1917] Arnold Sch\u00f6nberg F\u00fcnf Orchesterst\u00fccke op. 16 [1909] Arnold Sch\u00f6nberg Variationen f\u00fcr Orchester op. 31 [1926\u20131928] Eine Veranstaltung der Berliner Festspiele \/ Musikfest Berlin in Kooperation mit der Staatsoper Unter den Linden Staatskapelle Berlin Daniel Barenboim Leitung \u201eEs gelang ihm, all das, was vor ihm geschrieben wurde, zusammenzufassen \u2013 und doch zeigt er uns im gleichen Moment den Weg in die Zukunft.\u201c Mit diesen pointierten Worten benannte Daniel Barenboim die epochale Leistung des Komponisten Arnold Sch\u00f6nberg. Der leidenschaftliche wie charismatische Sch\u00f6nberg-Interpret deutete damit zugleich an, welcher Herausforderung sich jeder Musiker, der sich mit dem Komponisten besch\u00e4ftigt, bis heute zu stellen hat: N\u00e4mlich der Herausforderung, in jedem Moment der Auff\u00fchrung die Gegenpole in der musikalischen Pers\u00f6nlichkeit dieses janusk\u00f6pfigen K\u00fcnstlers auf gedanklich klare und zugleich sinnliche Weise in Verbindung zu bringen. Dass Sch\u00f6nberg zugleich Denker und Geschichtenerz\u00e4hler, Bilderst\u00fcrmer und Klangfarbenmaler, Nostalgiker und Vision\u00e4r sein konnte, das ist in drei Schl\u00fcsselwerken aus seinen zentralen Schaffensphasen zu h\u00f6ren. In ihnen l\u00e4sst sich unter anderem erleben, wie Sch\u00f6nberg das n\u00e4chtliche Gest\u00e4ndnis einer verschwiegenen Vaterschaft auf provozierende Weise romantisch schildert, die Farben eines Sommermorgens am See expressionistisch deutet und seinen endg\u00fcltigen Aufbruch in die Moderne mit den T\u00f6nen B-A-C-H signiert. Das Musikfest Berlin 2015 er\u00f6ffnet damit sein diesj\u00e4hriges Programm. In den darauffolgenden Konzerten tritt das Schaffen Arnold Sch\u00f6nbergs zusammen mit der Musik seines Zeitgenossen, dem D\u00e4nen Carl Nielsen, in einen Dialog mit den Werken Gustav Mahlers. TAGESPIEGEL Er\u00f6ffnung Musikfest Berlin Ewige Avantgarde 04.09.2015 Von Frederik Hanssen Prek\u00e4re Liebesszenen: Daniel Barenboim und die Staatskapelle er\u00f6ffnen das Musikfest Berlin mit Werken von Arnold Sch\u00f6nberg und erweisen sich als erhellende Erz\u00e4hler mit bewundernswerter Konzentrationsf\u00e4higkeit. \u201eIch wei\u00df gar nicht, was immer f\u00fcr ein [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":434,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4,2],"tags":[],"class_list":["post-433","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-konzert","category-kultur"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/gug.uharek.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/433","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/gug.uharek.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/gug.uharek.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gug.uharek.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gug.uharek.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=433"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/gug.uharek.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/433\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":437,"href":"https:\/\/gug.uharek.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/433\/revisions\/437"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gug.uharek.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/434"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/gug.uharek.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=433"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/gug.uharek.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=433"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/gug.uharek.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=433"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}