{"id":439,"date":"2015-09-24T09:59:53","date_gmt":"2015-09-24T09:59:53","guid":{"rendered":"http:\/\/gug.uharek.com\/?p=439"},"modified":"2015-09-26T10:03:28","modified_gmt":"2015-09-26T10:03:28","slug":"spaetromantisches-schwaermen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gug.uharek.com\/?p=439","title":{"rendered":"Sp\u00e4tromantisches Schw\u00e4rmen"},"content":{"rendered":"<p>An Camille Saint-Sa\u00ebns\u2019 Orgelsymphonie gibt es viel zu bewundern: Extrem facettenreich ist dieses originelle Werk \u2013 einerseits duftig und zart, andererseits im Orgel-Finale feierlich brausend. Wie die Symphonie werden auch die anderen Werke dieser Konzerte mit Zubin Mehta von sp\u00e4tromantischem Schw\u00e4rmen durchzogen: Franz Schmidts Zwischenspiel aus der Oper Notre Dame und Erich Wolfgang Korngolds Violinkonzert mit Gil Shaham als Solist.<br \/>\nBerliner Philharmoniker<br \/>\nZubin Mehta Dirigent<br \/>\nGil Shaham Violine<br \/>\nThierry Escaich Orgel<br \/>\nFranz Schmidt<\/p>\n<p>Zwischenspiel aus der Oper Notre Dame<br \/>\nErich Wolfgang Korngold<\/p>\n<p>Konzert f\u00fcr Violine und Orchester D-Dur op. 35<\/p>\n<p>Gil Shaham Violine<br \/>\nCamille Saint-Sa\u00ebns<\/p>\n<p>Symphonie Nr. 3 c-Moll op. 78 \u00bbOrgelsymphonie\u00ab<\/p>\n<p>Thierry Escaich Orgel<\/p>\n<p>Kino im Kopf<br \/>\nAnmerkungen zu Werken von Franz Schmidt, Erich Wolfgang Korngold und Camille Saint-Sa\u00ebns<br \/>\nOper und Film \u2013 Franz Schmidts Oper Notre Dame<\/p>\n<p>Der \u00f6sterreichische Komponist, Pianist, Cellist und Dirigent Franz Schmidt war im Wiener Musikleben des Fin de si\u00e8cleeine durchaus prominente Figur. Sein \u0152uvre umfasst Klavier- und Orgelwerke, Kammermusik, vier Symphonien, konzertante Variationen f\u00fcr Klavier und Orchester und (als beeindruckendes Sp\u00e4twerk) das 1937 vollendete Apokalypse-Oratorium Das Buch mit sieben Siegeln.Die Leidenschaft f\u00fcr das Orchester hatte Schmidt, von 1896 bis 1911 als Cellist den Wiener Philharmoniker angeh\u00f6rte, schon fr\u00fch entdeckt. Seine Erste Symphonie war 1899 mit dem Beethoven-Preis der Gesellschaft der Musikfreunde ausgezeichnet worden, und auch die Urauff\u00fchrung des Zwischenspiels aus einer unvollendeten romantischen Oper am 6. Dezember 1903 fand reichlich Beifall \u2013 wobei der Titel eigentlich eine Irref\u00fchrung war: Schmidt hatte mit der Arbeit an der \u00bbunvollendeten\u00ab Oper noch gar nicht richtig begonnen. Zwischen 1904 und 1906 entstand dann der Zweiakter Notre Dame, nach dem Roman Notre-Dame de Paris von Victor Hugo, der zuvor schon drei Mal auf die Opernb\u00fchne gebracht worden war. Bereits 1836 \u2013 f\u00fcnf Jahre nach der Ver\u00f6ffentlichung des Romans \u2013 hatte die Franz\u00f6sin Louise Ang\u00e9lique Bertin ein Original-Libretto Hugos vertont, La Esmeralda. (Nicht nur Hector Berlioz war voll des Lobes f\u00fcr das Werk der Sch\u00fclerin von Fran\u00e7ois-Joseph F\u00e9tis, deren Oper unbedingt eine Wiederentdeckung verdient h\u00e4tte.) 1847 folgte der Russe Alexander Dargomyschsky, 1883 der Engl\u00e4nder Arthur Goring Thomas, und 1906 war dann Schmidts Notre Dame fertig \u2013 stie\u00df allerdings zun\u00e4chst auf wenig Interesse. Gustav Mahler lehnte eine Auff\u00fchrung an der Wiener Hofoper ebenso ab wie sein Nachfolger Felix Weingartner, und erst am 1. April 1914 \u2013 knapp f\u00fcnf Monate vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs \u2013 dirigierte Franz Schalk die Urauff\u00fchrung der Oper, die sich bis Mitte der 1920er-Jahre auf dem Spielplan der Hofoper hielt, au\u00dferhalb Wiens aber nur selten aufgef\u00fchrt wurde.<\/p>\n<p>Wie sehr der Komponist mit seiner Stoffauswahl (zu der ihn vielleicht eine Konzerttournee der Wiener Philharmoniker mit Gustav Mahler zur Pariser Weltausstellung im Juni 1900 inspiriert hatte) dem \u00bbZeitgeist\u00ab entsprach, zeigt sich wohl auch darin, dass Victor Hugos Roman etwa zeitgleich das neue Medium des Films eroberte. 1905 war f\u00fcr die Filmgesellschaft Gaumont (unter dem Titel La Esmeralda) ein erster, zehnmin\u00fctiger Stummfilm von Alice Guy-Blach\u00e9 und Victorin-Hippolyte Jasset entstanden, 1911 drehte Albert Capellani Notre-Dame de Paris f\u00fcr Path\u00e9 (36 Minuten lang). Seither sind mehr als ein Dutzend Verfilmungen hinzugekommen, mit so grandiosen Schauspielern wie Charles Laughton (William Dieterle, 1939, mit der Musik von Alfred Newman) oder Anthony Quinn (Jean Delannoy, 1956, mit der Musik von Georges Auric), bis hin zu dem Zeichentrickfilm The Hunchback of Notre Dame aus den Walt-Disney-Studios (1996). Und tats\u00e4chlich erinnern Schmidts opulent-farbiger Orchesterstil und die gestische und rhythmische Verve seiner Musik ein wenig an jene Ideal-Soundtracks gro\u00dfer Hollywood-Produktionen der 1930er-, 1940er- und 1950er-Jahre in Cinemascope und Technicolor, f\u00fcr die Erich Wolfgang Korngold als Erfolgsgarant galt.<br \/>\nFilm und Konzert \u2013 Das Violinkonzert von Erich Wolfgang Korngold<\/p>\n<p>1934 war Korngold einer Einladung Max Reinhardts nach Hollywood gefolgt, um die Sommernachtstraum-Musik von Felix Mendelssohn Bartholdy f\u00fcr den Shakespeare-Film A Midsummer Night\u2019s Dream zu arrangieren. Reinhardts Film wurde zwar ein eklatanter Misserfolg, Korngolds Musik hingegen stie\u00df allgemein auf positive Resonanz, so dass sich der damals 38-J\u00e4hrige entschloss, sein Gl\u00fcck als Filmkomponist zu versuchen \u2013 zumal er als Jude ohnehin nicht nach Wien zur\u00fcckkehren konnte. Und Hollywood in seinem \u00bbGoldenen Zeitalter\u00ab lechzte damals geradezu nach jenem unverwechselbar europ\u00e4ischen Klang, f\u00fcr den Filmkomponisten wie Max Steiner (*1888 in Wien), Franz Wachsmann\/Waxman (*1906 im oberschlesischen K\u00f6nigsh\u00fctte, dem heutigen Chorz\u00f3w), Mikl\u00f3s R\u00f3zsa (*1907 in Budapest) oder eben auch Korngold einstanden.<\/p>\n<p>F\u00fcr die 19 Filmpartituren, die er zwischen 1935 (Captain Blood) und 1946 (Escape Me Never) komponiert hat, wurde er insgesamt f\u00fcnf Mal f\u00fcr einen Oscar nominiert und durfte zwei Mal die Goldstatuette nach Hause tragen: 1937 f\u00fcr Anthony Adverse und 1939 f\u00fcr The Adventures of Robin Hood. Aber Korngold, der als Wunderkind bereits mit elf Jahren f\u00fcr sein Ballett Der Schneemann gefeiert worden war und 1920 mit seiner Oper Die tote Stadt weit \u00fcber Wien hinaus Aufsehen erregt hatte, verstand sich selbst eher als ein \u00bbmoderner\u00ab Musiker \u2013 seine Violinsonate op. 6 war immerhin 1919 in Arnold Sch\u00f6nbergs Verein f\u00fcr musikalische Privatauff\u00fchrungen gespielt worden. Das geh\u00f6rte nun freilich nicht in die Richtung, die Hollywood von ihm verlangte. So entschloss er sich Mitte der 1940er-Jahre, in den Konzertsaal und zur \u00bbseri\u00f6sen\u00ab Musik zur\u00fcckzukehren \u2013 allerdings in einer Art Spagat: Im Violinkonzert D-Dur op. 35, das er 1945 f\u00fcr Jascha Heifetz schrieb, verwendete er durchg\u00e4ngig Material aus Filmmusiken. Im Kopfsatz Another Dawn (1937) und Juarez (1939), im zweiten Satz \u2013 das Klarinettensolo der Romanze\u2013 aus Anthony Adverse, im dritten aus The Prince and the Pauper (1937). Der Erfolg der Urauff\u00fchrung, die Heifetz am 15. Februar 1947 mit dem St. Louis Symphony Orchestra unter Vladimir Golschmann spielte, war \u00fcberw\u00e4ltigend \u2013 vor allem wohl auch aufgrund des Solisten, wie Korngold anerkennen musste: \u00bbTrotz der Virtuosit\u00e4t des Finales ist mein Konzert mit seinen vielen melodischen und lyrischen Episoden eher f\u00fcr einen Caruso als f\u00fcr einen Paganini gedacht. Unn\u00f6tig zu sagen, wie gl\u00fccklich ich dar\u00fcber bin, dass es von einem Caruso und einem Paganini in Personalunion gespielt wird: Jascha Heifetz.\u00ab<\/p>\n<p>Der Erfolg des Konzerts war freilich tr\u00fcgerisch: Die Musikgeschichte war nicht stehen geblieben und die Fachwelt \u2013 Kollegen wie Kritiker \u2013 r\u00fcmpften die Nase \u00fcber das Werk und den Beifall des Publikums. Als Korngold 1949 f\u00fcr zwei Jahre nach \u00d6sterreich zur\u00fcckkehrte, wurden seine Stumme Serenade op. 36, das Cellokonzert op. 37 oder die Symphonische Serenade op. 39 (die immerhin von den Wiener Philharmonikern unter Wilhelm Furtw\u00e4ngler uraufgef\u00fchrt wurde) als ganz und gar \u00bbaus der Zeit gefallen\u00ab empfunden und kaum beachtet, und Korngolds einzige Symphonie (Fis-Dur op. 40) wurde von der Gesellschaft der Musikfreunde abgewiesen. Andererseits hatte er nun auch den Anschluss an die Filmindustrie Hollywoods verloren und geriet so schon zu Lebzeiten in ein Abseits, aus der sich seine Musik erst in den letzten Jahren wieder ein wenig befreit. Denn wenn man heute \u2013 mit 70 Jahren Abstand \u2013 ein Werk wie das Violinkonzert (wieder) h\u00f6rt, zeigt sich, dass Korngold sein erkl\u00e4rtes Ziel souver\u00e4n erreicht hat: \u00bbIch wollte immer eine Musik f\u00fcr den Film schreiben, die auch ohne Film als Musik bestehen kann.\u00ab<br \/>\nDie letzte Symphonie des ersten Filmkomponisten: Camille Saint-Sa\u00ebns\u02bc Orgelsymphonie<\/p>\n<p>Ob Korngold wusste, wer eigentlich das Genre der Filmmusik begr\u00fcndet hatte? Es war der 73-j\u00e4hrige Camille Saint-Sa\u00ebns, der 1908 f\u00fcr den Historien-Stummfilm L\u2019Assassinat du Duc de Guise von Henri Lavedan, Andr\u00e9 Calmettes und Charles Le Bargy die erste originale Filmpartitur der Musikgeschichte lieferte. Ausgerechnet Saint-Sa\u00ebns, der damals als Inbegriff des harmlos-gef\u00e4lligen Salon-Romantikers galt, und von dem viele \u00bbModernisten\u00ab behaupteten, seine \u00bbVorliebe f\u00fcr das Alte [sei] ebenso notorisch wie seine Abneigung gegen das Neue\u00ab (Jean Marnold). Schuld daran trug nicht zuletzt sein langes Leben: Saint-Sa\u00ebns wurde am 9. Oktober 1835 in Paris geboren \u2013 achteinhalb Jahre nach dem Tod Ludwig van Beethovens \u2013 und starb am 16. Dezember 1921 in Algier \u2013 achteinhalb Jahre nach der Urauff\u00fchrung von Igor Strawinskys Le Sacre du printemps. Da konnte man Anfang des neuen Jahrhunderts leicht vergessen, dass er einmal ein Avantgardist und Revolution\u00e4r gewesen war, und dass er vor allem mit seinen Solokonzerten und Symphonien Wegbereiter einer Weiterentwicklung dieser Gattungen war, die weit ins 20. Jahrhundert hineinreichte.<\/p>\n<p>Das zeigt exemplarisch die (nach offizieller Z\u00e4hlung, in der zwei Jugend-Symphonien unber\u00fccksichtigt bleiben) Dritte Symphonie c-Moll op. 78, die Saint-Sa\u00ebns 1886 im Auftrag der Londoner Philharmonic Society komponierte, und die mitten hinein geriet in einen Streit, der damals die franz\u00f6sische Musik bestimmte. Auf der einen Seite standen die Anh\u00e4nger C\u00e9sar Francks (zu denen auch die wagn\u00e9ristes geh\u00f6rten), deren Stil sich an der deutschen Sp\u00e4tromantik orientierte. Auf der anderen Seite war es der Kreis um Camille Saint\u00adSa\u00ebns, der eine nationale Eigenst\u00e4ndigkeit der franz\u00f6sischen Musik forderte. Entsprechend heftig wurden exponierte Werke der beiden Komponisten diskutiert und gegeneinander ausgespielt \u2013 so auch die Dritte von Saint-Sa\u00ebns und die gleichzeitig entstandene Symphonie d-Moll von Franck.<\/p>\n<p>Wie fast alle gro\u00dfen Instrumentalgattungen war auch die Symphonie in Frankreich jahrzehntelang zugunsten der Oper so sehr vernachl\u00e4ssigt worden, dass nun diese beiden Partituren von den jeweiligen Parteig\u00e4ngern der gegens\u00e4tzlichen Schulen als Schl\u00fcsselwerke eines renouveau im Geiste der Moderne gefeiert wurden. \u00bbWer behauptet, er [Franck] habe damit die Form der Symphonie erneuert, der macht sich allzu sehr \u00fcber das Publikum lustig; das Werk erneuert gar nichts. [\u2026] Wenn \u00fcberhaupt eine Symphonie die Ehre beanspruchen darf, die Form der Symphonie erneuert zu haben, dann w\u00e4re das \u2013 aufgrund ihrer ungew\u00f6hnlichen Form und der Verwendung der Orgel \u2013 meine Symphonie in C\u00ab, wetterte Saint-Sa\u00ebns noch am 25. Oktober 1918 in einem Brief an seinen Librettisten und Biografen Pierre Agu\u00e9tant.<\/p>\n<p>Die Verwendung von Orgelsolo und Klavier zu vier H\u00e4nden in einem symphonischen Werk stellte zwar keine absolut innovatorische Leistung dar \u2013 erinnert sei hier etwa an den Orgelpart der Symphonischen Dichtung Hunnenschlacht (1857) von Franz Liszt und an den Klavierpart des lyrischen Monodrams L\u00e9lio von Hector Berlioz (1831). Doch die formale Anlage der Orgelsymphonie ist wirklich ein solches Novum der Gattung, dass der Komponist f\u00fcr die Londoner Urauff\u00fchrung eigens ein programme analytique entwarf, um sie dem Publikum zu erl\u00e4utern: \u00bbObwohl diese Symphonie in zwei S\u00e4tze unterteilt ist, beh\u00e4lt sie im Prinzip die traditionelle Viers\u00e4tzigkeit bei; dabei dient der erste Satz, der in der Durchf\u00fchrung abbricht, als Einleitung zum Adagio, und auf dieselbe Weise ist das Scherzomit dem Finaleverkn\u00fcpft. Es ging dem Komponisten darum, endlose Rekapitulationen und Wiederholungen zu vermeiden.\u00ab \u00dcber diese Besonderheit im Gro\u00dfen hinaus ist die Symphonie auch im Kleinen ein einzigartiges Werk \u2013 \u00bbdie erste symphonische Partitur der franz\u00f6sischen Musik, die aus einem einzigen, von Satz zu Satz entwickelten und fortgesponnenen thematischen Gedanken entspringt\u00ab (so der amerikanische Musikwissenschaftler Daniel Martin Fallon): der (aus der gregorianischen Dies-irae-Sequenz abgeleiteten) Tonfolge es \u2013 d \u2013 es \u2013 c \u2013 d \u2013 es \u2013 g \u2013 fis \u2013 f \u2013 es \u2013 d, die im Allegro moderato des ersten Satzes exponiert wird.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich lassen sich f\u00fcr eine solche zyklische Konzeption Vorbilder finden, etwa in der F\u00fcnften von Beethoven oder der Vierten von Schumann, und in seinen fr\u00fcheren Werken wie dem Vierten Klavierkonzert (c-Moll op. 44, 1875) oder der Ersten Violinsonate (d-Moll op. 75, 1885) hatte Saint-Sa\u00ebns auch schon diese Zwei-\/Vier-S\u00e4tzigkeit verwendet. Hinzu kommt hier aber noch die Klang-Disposition des Werks, in der sich der Franzose als Adept jener \u00bbNeudeutschen Schule\u00ab Liszts zu erkennen gibt. Von diesem war der der 24 Jahre j\u00fcngere Franzose schon fr\u00fch unterst\u00fctzt und gef\u00f6rdert worden, indem Liszt beispielsweise die Weimarer Urauff\u00fchrung von dessen Oper Samson et Dalila am 2. Dezember 1877in die Wege geleitet hatte, denn \u00bbunter den a k t u e l l e n franz\u00f6sischen Komponisten kenne ich keinen, der so sehr das Interesse eines intelligenten und musikalisch gebildeten Publikums verdient wie Monsieur Saint-Sa\u00ebns\u00ab. Und nachdem Liszt dem Freund 1881 seinen Zweiten Mephisto-Walzerzugeeignet hatte, wollte sich Saint-Sa\u00ebns mit der Widmung seiner Dritten an Liszt revanchieren, dem er von der erfolgreichen Urauff\u00fchrung berichtete. \u00bbSehr lieber Freund\u00ab, bedankte sich dieser, \u00bbGl\u00fccklich \u00fcber die Freundschaft, die Sie mir so oft bewiesen haben, danke ich Ihnen von ganzem Herzen. Der Erfolg Ihrer Symphonie in London freut mich sehr, er wird sich crescendo in Paris und anderswo fortsetzen. F\u00fcr die Widmung bitte ich Sie, einfach meinen Namen hinzuschreiben \u2013 so wie ich ihn unter diese Zeilen setze, wegen meiner immer schw\u00e4cheren Augen. In herzlicher Freundschaft Ihr sehr ergebener F. Liszt.\u00ab<\/p>\n<p>Sechs Wochen vor seinem Tod war dies der letzte Brief Liszts an Saint-Sa\u00ebns, der seine Symphonie schlie\u00dflich \u00bb\u00e0 la M\u00e9moire de Franz Liszt\u00ab dedizierte.<\/p>\n<p>Michael Stegemann<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An Camille Saint-Sa\u00ebns\u2019 Orgelsymphonie gibt es viel zu bewundern: Extrem facettenreich ist dieses originelle Werk \u2013 einerseits duftig und zart, andererseits im Orgel-Finale feierlich brausend. Wie die Symphonie werden auch die anderen Werke dieser Konzerte mit Zubin Mehta von sp\u00e4tromantischem Schw\u00e4rmen durchzogen: Franz Schmidts Zwischenspiel aus der Oper Notre Dame und Erich Wolfgang Korngolds Violinkonzert mit Gil Shaham als Solist. Berliner Philharmoniker Zubin Mehta Dirigent Gil Shaham Violine Thierry Escaich Orgel Franz Schmidt Zwischenspiel aus der Oper Notre Dame Erich Wolfgang Korngold Konzert f\u00fcr Violine und Orchester D-Dur op. 35 Gil Shaham Violine Camille Saint-Sa\u00ebns Symphonie Nr. 3 c-Moll op. 78 \u00bbOrgelsymphonie\u00ab Thierry Escaich Orgel Kino im Kopf Anmerkungen zu Werken von Franz Schmidt, Erich Wolfgang Korngold und Camille Saint-Sa\u00ebns Oper und Film \u2013 Franz Schmidts Oper Notre Dame Der \u00f6sterreichische Komponist, Pianist, Cellist und Dirigent Franz Schmidt war im Wiener Musikleben des Fin de si\u00e8cleeine durchaus prominente Figur. Sein \u0152uvre umfasst Klavier- und Orgelwerke, Kammermusik, vier Symphonien, konzertante Variationen f\u00fcr Klavier und Orchester und (als beeindruckendes Sp\u00e4twerk) das 1937 vollendete Apokalypse-Oratorium Das Buch mit sieben Siegeln.Die Leidenschaft f\u00fcr das Orchester hatte Schmidt, von 1896 bis 1911 als Cellist den Wiener Philharmoniker angeh\u00f6rte, schon fr\u00fch entdeckt. Seine Erste Symphonie war 1899 mit dem Beethoven-Preis der Gesellschaft der Musikfreunde ausgezeichnet worden, und auch die Urauff\u00fchrung des Zwischenspiels aus einer unvollendeten romantischen Oper am 6. Dezember 1903 fand reichlich Beifall \u2013 wobei der Titel eigentlich eine Irref\u00fchrung war: Schmidt hatte mit der Arbeit an der \u00bbunvollendeten\u00ab Oper noch gar nicht richtig begonnen. Zwischen 1904 und 1906 entstand dann der Zweiakter Notre Dame, nach dem Roman Notre-Dame de Paris von Victor Hugo, der zuvor schon drei Mal auf die Opernb\u00fchne gebracht worden war. 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