Archiv für den Monat: November 2015

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    Von einem der auszog, weil er sich die Miete nicht mehr leisten konnte

Von einem der auszog, weil er sich die Miete nicht mehr leisten konnte

Von einem der auszog, weil er sich die Miete nicht mehr leisten konnte
Oper von Dirk von Lowtzow und René Pollesch

Das war sie also, die Geschichte von mir und Dingsda. Es war zu Ende. Das Begehren war weg und merkwürdigerweise auch die Realität. Ich hätte vielleicht erwartet, dass ich den Realitätssinn verliere, so wie früher, wenn deine Worte und Versprechungen und das was dann passierte, nicht mehr in den Rahmen dessen passte, was ich an Vorverständnis für Szenerien mitbringen konnte. Aber diesmal, und es wird unser letztes Mal gewesen sein, war es anders. Das, was ich die wirkliche Welt nenne, die, die wir eben so verstehn können, und auseinandernehmen und auch verbessern, ist in dem Moment kollabiert, und hat sich ganz und gar aufgelöst. Es gibt dich nicht mehr. Ich meine, begehrenstechnisch, und ich frage mich, wie du vor mir verschwinden konntest. Weißt du, zu sagen, dass du für mich gestorben bist, trifft es ja nicht. Damit wischt man ja nur das Problem weg und ignoriert, was da vor einem steht, das elementare phantasmatische Objekt. Weißt du, wenn jemand wie ich, so viele Geschichten zusammengetragen hat, über alle Zustände, in denen ich mit dir war, und diese Geschichten, wenn zwei Leute dann eines Tages in einem Raum stehen, und das alles hat nichts mehr mit ihnen zu tun… Ich muss dann an diesen Film denken, den ich neulich sah. Eine Frau geht auf ein Haus zu, und man hat den Eindruck, dass das Haus den Blick erwidert. So als hätten wir eine Ahnung, dass da jemand zurückguckt, der sich aber nicht zeigt. Und das ist das Entscheidende. Obwohl wir nicht hineingucken können, gibt es diese Tendenz, dass wir dahinter jemanden vermuten. Wir können den Blick […]

von |November 12th, 2015|Allgemein|Kommentare deaktiviert für Von einem der auszog, weil er sich die Miete nicht mehr leisten konnte|

Schmitke

Schmitke beginnt mit nahezu skandinavischer Trockenheit, einer Komik, die sich aus dem Alltäglichen generiert. Schmitkes (Peter Kurth) Tätigkeit als Ingenieur für Windräder ist sehr bewusst gewählt, denn so wie seine Räder dreht sich auch Schmitkes Leben ewig weiter und kommt doch nie vom Fleck.

Aber dann durchbrechen plötzlich mehrere Ereignisse seine Routine. Hippie-Tochter Anne (Lana Cooper) kehrt von einer Erleuchtungsreise zurück und versucht (vergeblich) ihren Vater für die esoterische Wirkung von Steinen zu begeistern. Und dann wird Schmitke auch noch von seinem Labor in den Außendienst versetzt und muss sich mit seinem nervtötenden Kollegen Thomas (Johann Jürgens) auf eine Reise nach Tschechien begeben, um in einem verschlafenen Nest mitten in den Bergen ein altes Windrad zu reparieren.

Wenn Schmitke seine geordnete Welt verlässt, verändern sich auch Stimmung und Stil des Films. Die trockene Tragikomik macht einer wachsenden Bedrohung platz. Altrichter inszeniert den Wald sowohl als Sehnsuchtsort wie auch als diffuse Gefahr und zieht diese Aspekte motivisch durch seinen Film. Ist es zunächst noch die Radionachricht vom „Bären-Mann“, der in der Wildnis aufgegriffen wurde, und ein mysteriöses Gebüsch, das Schmitke auf seinem Heimweg regelmäßig aus dem Konzept bringt, sind es nun die mit Nebelschwaden überhangenen tschechischen Wälder, die seinen Helden auf unerklärliche Weise faszinieren.

Doch der Wald ist nicht das einzige Motiv des Films. Rotierende Apparaturen, Hirsche und vermutlich noch einiges mehr, das von mir unbemerkt blieb, tauchen immer wieder auf und verleihen Schmitke etwas (Alb)Traumhaftes. Erzählebenen verschieben sich und stellen die Zuschauer_innen vor ein Rätsel. Was ist Traum, was Wirklichkeit? Auch das tschechische Nest, in dem Schmitke und Thomas stranden, wirkt wie eine zeitlose Parallelwelt. Wie das kaputte Windrad, das einfach nicht stehen bleiben möchte, scheinen sich auch im Dorf die Tage auf mystische Weise endlos zu […]

von |November 6th, 2015|Allgemein|Kommentare deaktiviert für Schmitke|