Mozart und Mahler
Berliner Philharmoniker
Gustavo Dudamel Dirigent
Wolfgang Amadeus Mozart Serenade Nr. 9 D-Dur KV 320 »Posthorn-Serenade«
Gustav Mahler Symphonie Nr. 1 D-Dur
Orchesterwerke von Wolfgang Amadeus Mozart und Gustav Mahler
»Im Anfang war das Wort«, so steht es in der Bibel geschrieben (Joh. 1, 1). Aber was war davor? Im Grunde genommen die Erschütterung, deren Maximum, Vulkanausbruch und Unwetter. Dieses Naturbeben transformierte der Mensch am Beginn seiner (biblischen) Geschichte zu einem Stück Kultur – in Gestalt eines Blasinstruments, das hebräisch שׁוֹפָר (schofar) heißt: Horn, vornehmlich Widderhorn. Zum einen ist das Horn also eines der ältesten Trinkgefäße, zum anderen stellt seine Nutzung als Schallverstärker, quasi als eine Vorform des Megafons, einen der frühesten Versuche dar, das Beben der Natur nicht nur zu erleiden, sondern es gleichsam in menschliche Regie zu überführen. Die Töne jener ersten Hörner müssen, so berichten es Historiker, die Menschen in der Nähe mit ähnlichem Schauder durchdrungen haben wie der Donner oder das Gebrüll von Tieren. Doch war der Mensch ja nun selbst Autor dieses Donners, dieses Gebrülls, und insofern eine archaische Antwort auf das Naturbeben: der klingende Gegenzauber – man denke nur an die Eroberung der Stadt Jericho durch die Kinder Israels: »Darauf erhob das Volk das Kriegsgeschrei und die Widderhörner wurden geblasen. Als das Volk den Hörnerschall hörte, brach es in lautes Kriegsgeschrei aus. Die Stadtmauer stürzte in sich zusammen, und das Volk stieg in die Stadt hinein, jeder an der nächstbesten Stelle.« (Josua 6, 20)
Klangkultur pur: Wolfgang Amadeus Mozarts Posthorn-Serenade KV 320
Im Laufe der Geschichte wurde auch die zivile Nutzung dieses wundervollen Instruments in Betracht gezogen. Das Horn diente als Mitteilungs- und Ankündigungsmittel. So kam im Grunde das Posthorn in die Welt, und dort blieb es so lange, bis – vorgeblich – verfeinerte Kommunikationsmittel ersonnen […]
