Brezger Uraufführung: Ich Bin Worte

von |März 24th, 2016|Allgemein|Kommentare deaktiviert für Brezger Uraufführung: Ich Bin Worte|
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    Von einem der auszog, weil er sich die Miete nicht mehr leisten konnte

Von einem der auszog, weil er sich die Miete nicht mehr leisten konnte

Von einem der auszog, weil er sich die Miete nicht mehr leisten konnte
Oper von Dirk von Lowtzow und René Pollesch

Das war sie also, die Geschichte von mir und Dingsda. Es war zu Ende. Das Begehren war weg und merkwürdigerweise auch die Realität. Ich hätte vielleicht erwartet, dass ich den Realitätssinn verliere, so wie früher, wenn deine Worte und Versprechungen und das was dann passierte, nicht mehr in den Rahmen dessen passte, was ich an Vorverständnis für Szenerien mitbringen konnte. Aber diesmal, und es wird unser letztes Mal gewesen sein, war es anders. Das, was ich die wirkliche Welt nenne, die, die wir eben so verstehn können, und auseinandernehmen und auch verbessern, ist in dem Moment kollabiert, und hat sich ganz und gar aufgelöst. Es gibt dich nicht mehr. Ich meine, begehrenstechnisch, und ich frage mich, wie du vor mir verschwinden konntest. Weißt du, zu sagen, dass du für mich gestorben bist, trifft es ja nicht. Damit wischt man ja nur das Problem weg und ignoriert, was da vor einem steht, das elementare phantasmatische Objekt. Weißt du, wenn jemand wie ich, so viele Geschichten zusammengetragen hat, über alle Zustände, in denen ich mit dir war, und diese Geschichten, wenn zwei Leute dann eines Tages in einem Raum stehen, und das alles hat nichts mehr mit ihnen zu tun… Ich muss dann an diesen Film denken, den ich neulich sah. Eine Frau geht auf ein Haus zu, und man hat den Eindruck, dass das Haus den Blick erwidert. So als hätten wir eine Ahnung, dass da jemand zurückguckt, der sich aber nicht zeigt. Und das ist das Entscheidende. Obwohl wir nicht hineingucken können, gibt es diese Tendenz, dass wir dahinter jemanden vermuten. Wir können den Blick […]

von |November 12th, 2015|Allgemein|Kommentare deaktiviert für Von einem der auszog, weil er sich die Miete nicht mehr leisten konnte|

Schmitke

Schmitke beginnt mit nahezu skandinavischer Trockenheit, einer Komik, die sich aus dem Alltäglichen generiert. Schmitkes (Peter Kurth) Tätigkeit als Ingenieur für Windräder ist sehr bewusst gewählt, denn so wie seine Räder dreht sich auch Schmitkes Leben ewig weiter und kommt doch nie vom Fleck.

Aber dann durchbrechen plötzlich mehrere Ereignisse seine Routine. Hippie-Tochter Anne (Lana Cooper) kehrt von einer Erleuchtungsreise zurück und versucht (vergeblich) ihren Vater für die esoterische Wirkung von Steinen zu begeistern. Und dann wird Schmitke auch noch von seinem Labor in den Außendienst versetzt und muss sich mit seinem nervtötenden Kollegen Thomas (Johann Jürgens) auf eine Reise nach Tschechien begeben, um in einem verschlafenen Nest mitten in den Bergen ein altes Windrad zu reparieren.

Wenn Schmitke seine geordnete Welt verlässt, verändern sich auch Stimmung und Stil des Films. Die trockene Tragikomik macht einer wachsenden Bedrohung platz. Altrichter inszeniert den Wald sowohl als Sehnsuchtsort wie auch als diffuse Gefahr und zieht diese Aspekte motivisch durch seinen Film. Ist es zunächst noch die Radionachricht vom „Bären-Mann“, der in der Wildnis aufgegriffen wurde, und ein mysteriöses Gebüsch, das Schmitke auf seinem Heimweg regelmäßig aus dem Konzept bringt, sind es nun die mit Nebelschwaden überhangenen tschechischen Wälder, die seinen Helden auf unerklärliche Weise faszinieren.

Doch der Wald ist nicht das einzige Motiv des Films. Rotierende Apparaturen, Hirsche und vermutlich noch einiges mehr, das von mir unbemerkt blieb, tauchen immer wieder auf und verleihen Schmitke etwas (Alb)Traumhaftes. Erzählebenen verschieben sich und stellen die Zuschauer_innen vor ein Rätsel. Was ist Traum, was Wirklichkeit? Auch das tschechische Nest, in dem Schmitke und Thomas stranden, wirkt wie eine zeitlose Parallelwelt. Wie das kaputte Windrad, das einfach nicht stehen bleiben möchte, scheinen sich auch im Dorf die Tage auf mystische Weise endlos zu […]

von |November 6th, 2015|Allgemein|Kommentare deaktiviert für Schmitke|

Mozart und Mahler

Berliner Philharmoniker

Gustavo Dudamel Dirigent

Wolfgang Amadeus Mozart Serenade Nr. 9 D-Dur KV 320 »Posthorn-Serenade«

Gustav Mahler Symphonie Nr. 1 D-Dur

 
Orchesterwerke von Wolfgang Amadeus Mozart und Gustav Mahler
»Im Anfang war das Wort«, so steht es in der Bibel geschrieben (Joh. 1, 1). Aber was war davor? Im Grunde genommen die Erschütterung, deren Maximum, Vulkanausbruch und Unwetter. Dieses Naturbeben transformierte der Mensch am Beginn seiner (biblischen) Geschichte zu einem Stück Kultur – in Gestalt eines Blasinstruments, das hebräisch שׁוֹפָר (schofar) heißt: Horn, vornehmlich Widderhorn. Zum einen ist das Horn also eines der ältesten Trinkgefäße, zum anderen stellt seine Nutzung als Schallverstärker, quasi als eine Vorform des Megafons, einen der frühesten Versuche dar, das Beben der Natur nicht nur zu erleiden, sondern es gleichsam in menschliche Regie zu überführen. Die Töne jener ersten Hörner müssen, so berichten es Historiker, die Menschen in der Nähe mit ähnlichem Schauder durchdrungen haben wie der Donner oder das Gebrüll von Tieren. Doch war der Mensch ja nun selbst Autor dieses Donners, dieses Gebrülls, und insofern eine archaische Antwort auf das Naturbeben: der klingende Gegenzauber – man denke nur an die Eroberung der Stadt Jericho durch die Kinder Israels: »Darauf erhob das Volk das Kriegsgeschrei und die Widderhörner wurden geblasen. Als das Volk den Hörnerschall hörte, brach es in lautes Kriegsgeschrei aus. Die Stadtmauer stürzte in sich zusammen, und das Volk stieg in die Stadt hinein, jeder an der nächstbesten Stelle.« (Josua 6, 20)

Klangkultur pur: Wolfgang Amadeus Mozarts Posthorn-Serenade KV 320
Im Laufe der Geschichte wurde auch die zivile Nutzung dieses wundervollen Instruments in Betracht gezogen. Das Horn diente als Mitteilungs- und Ankündigungsmittel. So kam im Grunde das Posthorn in die Welt, und dort blieb es so lange, bis – vorgeblich – verfeinerte Kommunikationsmittel ersonnen […]

von |Juni 11th, 2015|Allgemein|Kommentare deaktiviert für Mozart und Mahler|

La Rondine in der Deutschen Oper

Alfred Maria Willner, der Erfolgsautor des Wiener Carltheaters (DIE DOLLARPRINZESSIN, DER GRAF VON LUXEMBURG) hatte zusammen mit Heinz Reichert ein Libretto mit dem Titel DIE SCHWALBE verfasst, das sie Puccini zur Verfügung stellten. Puccini machte von Anfang an klar, dass er keine konventionelle Operette schreiben würde, gesprochene Dialoge schloss er aus, aber eine „lyrische Komödie“ etwa im Sinne des ROSENKAVALIER wolle er sich gern vornehmen. Die Grundstruktur einer Operette ist in dem von Giuseppe Adami bearbeiteten und ins Italienische übertragenen Libretto durchaus noch zu erkennen: drei Akte mit einem großen Durcheinander im Finale des 2. Aktes; zwei Sopran-Tenor-Paare, die gesellschaftlich ein „Oben“ und „Unten“ spiegeln. Auch die Verwendung von Tänzen, insbesondere des Walzers, ist für Puccini neu. Ganz anders aber ist der Schluss, der sich in kein Opern- oder Operettenschema einordnen lässt.

Die Hauptfigur Magda lebt im Haus des Bankiers Rambaldo, von dem sie sich aushalten lässt. Der Dichter Prunier, regelmäßiger Gast im Hause Rambaldo und enger Freund von Magdas Kammerzofe Lisette, entwirft das Bild einer Schwalbe (La Rondine = Die Schwalbe). Er prophezeit Magda, dass sie wie eine Schwalbe der Sonne und der Liebe entgegen fliegen wird. Ruggero, der Sohn eines Freundes von Rambaldo, der zum ersten Mal Paris besucht, wird von den Freunden Magdas in das Tanzlokal bei Bullier geführt. Magda tritt dort inkognito auf und verliebt sich in Ruggero. Rambaldo überrascht die beiden, gerade als sie sich ihre Liebe gestehen. Magda trennt sich offiziell von ihm und seinem Geld. Sie zieht mit Ruggero an die Riviera und lebt dort in Bescheidenheit und mit Gewissensbissen, weil sie ihrem Neuen nichts von ihrem Vorleben als Mätresse Rambaldos erzählt hat. Dieser wäre bereit zu verzeihen, wenn sie zu ihm zurückkehrte, das will sie aber ebenso […]

von |März 14th, 2015|Allgemein|Kommentare deaktiviert für La Rondine in der Deutschen Oper|

Der zerbrochene Krug im DT

Wenn ihr selbst, Dorfrichter Adam, den Krug zerschlagen hättet, könntet ihr nicht eifriger allen Verdacht von Euch auf jenen jungen Mann hinwälzen als jetzt. – Wie wahr die Aussage des strengen Gerichtsrats Walter tatsächlich ist, weiß nur der angesehene Dorfrichter Adam selbst. Schließlich war er es, der versucht hat, sich die Jungfer Eve gefügig zu machen, um dann auf der Flucht vor dem gehörnten Verlobten den Krug zu zerbrechen. Jetzt ist Gerichtstag und vor ihm stehen eine aufgebrachte Frau Marthe Rull mit dem zerbrochenen Krug und Tochter Eve und deren Verlobter Ruprecht mit seinem Vater. Marthe beschuldigt Ruprecht ihn vermeintlich spätabends „in flagranti“ bei ihrer Tochter Eve im Zimmer überrascht zu haben, wobei der wertvolle Krug zerbrochen ist. Täter und Richter zugleich, redet und richtet sich Adam wegen Eve um Kopf und Kragen…

Regie: Peter Stein
Bühne: Ferdinand Wögerbauer
Kostüme: Anna Maria Heinreich
Musik: Arturo Annecchino
Dramaturgie: Anika Bárdos, Viktoria Göke

Mit: Martin Seifert (Walter, Gerichtsrat), Klaus Maria Brandauer (Adam, Dorfrichter), Michael Rotschopf (Licht, Schreiber), Tina Engel (Frau Marthe Rull), Katharina Susewind (Eve, ihre Tochter), Detlef Lutz (Veit Tümpel, ein Bauer), Roman Kanonik (Ruprecht, sein Sohn), Ilse Ritter (Frau Brigitte), Stephan Schäfer (Ein Bedienter), Michael Kinkel (Büttel), Larissa Fuchs (Liese, erste Magd), Antonia Bill (Margarete, zweite Magd), Karla Sengteller (Doppelbesetzung Liese, erste Magd)

von |Februar 22nd, 2015|Allgemein|Kommentare deaktiviert für Der zerbrochene Krug im DT|

Sibelius-Abend mit Simon Rattle und Leonidas Kavakos

Berliner Philharmoniker
Sir Simon Rattle Dirigent
Leonidas Kavakos Violine
Jean Sibelius

Symphonie Nr. 3 C-Dur op. 52
Jean Sibelius

Konzert für Violine und Orchester d-Moll op. 47

Leonidas Kavakos Violine
Jean Sibelius

Symphonie Nr. 4 a-Moll op. 63

»Strenge, Stil und Logik«
Die Symphonien und das Violinkonzert von Jean Sibelius
Positionsbestimmungen

»Die moderne Symphonie ist ein Tonwerk für volles Orchester, nach den Formumrissen und der inneren Gliederung eine Gattung der Sonate, sie besteht gewöhnlich aus vier Sätzen: Allegro, Andante oder Adagio oder Largo, Menuett oder Scherzo und Allegro oder Final.« So einfach, kurz und bündig diese Definition einer »modernen Symphonie« in Oscar Pauls Handlexikon der Tonkunst (Leipzig 1873) auch scheint, so wenig konnte sie einem »modernen« Komponisten des späten 19. Jahrhunderts als Wegweiser dienen: Wer damals einem »Tonwerk für volles Orchester« den Gattungstitel »Symphonie« gab, musst eine zentnerschwere Last schultern.

Mitte des 18. Jahrhunderts hatte sich die Form der Sinfonia– der italienischen Opern-Ouvertüre – als eigenständiges, dreisätziges Orchesterwerk herausgebildet und war schnell in ganz Europa angenommen worden. Komponisten wie Giovanni Battista Sammartini, Luigi Boccherini und François-Joseph Gossec, die Bach-Söhne und die Köpfe der »Mannheimer Schule« bereiteten ihr den Weg zur überreichen Blütezeit der Wiener Klassik – zu den Symphonien Joseph Haydns und Wolfgang Amadeus Mozarts. Doch bereits 1824 erreichte die Gattung mit Ludwig van Beethovens Neunter einen Punkt, nach dem das Schreiben von Symphonien obsolet, wenn nicht unmöglich geworden zu sein schien. »Die Symphoniker seit Beethoven haben die Form nicht mehr weiter zu entwickeln vermocht«, stellt 1894 Hugo Riemanns Musik-Lexikon in seiner 4. Auflage fest; »nichtsdestoweniger würde es ein arger Fehlschuß [sic!] sein, wollte man sie als ausgelebt ansehen; die Symphonien von Schumann, Brahms, Raff, Anton Rubinstein beweisen, daß sie noch zur Füllung mit immer neuem Inhalt tauglich ist.« Weniger optimistisch äußert sich 1889 Sir George Grove in […]

von |Januar 28th, 2015|Allgemein, Konzert, Kultur|Kommentare deaktiviert für Sibelius-Abend mit Simon Rattle und Leonidas Kavakos|

Heimkino mit allen auf dem neuen Sofa

von |Januar 14th, 2014|Allgemein|Kommentare deaktiviert für Heimkino mit allen auf dem neuen Sofa|

Na, weil ich etwas machen möchte was mir Spaß macht!

Ich glaube, mit dieser einen sebstgebrannten CD, die meine Schwester und ich vor Jahren bekommen haben, mit der fing es an. Es war eine CD von Kurt Krömer, die bei uns auch immernoch für große Belustigung sorgt. Kurt Krömer trifft es in einer seiner Geschichten nämlich ziemlich gut, als er auf die Frage, wieso er denn eine Schauspielkarriere beginnen wolle antwortet, dass er „etwas machen möchte, was ihm Spaß macht.“ Genau das möchte ich nämlich auch.

Ich befinde mich im Moment in einer Lebenssituation, in der Spaß ganz vorne und gleichzeitig ganz hinten stehen soll und habe noch nicht ganz den Dreh raus, wie das zusammenpassen soll. Ich habe letztes Jahr mein Abitur gemacht und warte seitdem auf die große Erleuchtung, den fallenden Groschen, darauf, dass mir plötzlich etwas begegnet, was mich begeistert, mitreißt und ich nicht länger rätseln muss, was das Leben für mich bereithält. Ganz so einfach wie ich mir das gedacht hatte, war es dann leider nicht.

Vor Kurzem habe ich mich erneut in das Schussfeld meiner Eltern und Großeltern begeben, um die lästige Frage zu klären, was denn nun aus mir werden soll. Da habe ich spontan mit dem geantwortet, was Kurt Krömer mir beigebracht hat: Ich möchte etwas machen, was mir Spaß macht. Das hätte ich lieber nicht gesagt, denn darauf hin ist eine weitere dieser Was-machst-du-denn-bloß-Kind-Diskussionen ausgebrochen. Sie war allerdings nicht so schlimm, wie befürchtet und hat mich auf einige Ideen gebracht.

Ich habe das erste Mal über die Definition von Spaß nachgedacht. Wie ist das mit dem Spass? Ist Spaß Freizeit, Freunde und Ferien? Oder kann Studium und Arbeit auch Spaß machen? Ist Spaß ein Entscheidungskriterium für die weiter Zukunft?

Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass Spaß für jede Person etwas komplett […]

von |Januar 9th, 2014|Allgemein|Kommentare deaktiviert für Na, weil ich etwas machen möchte was mir Spaß macht!|

Morgen in Kiel

Sonnenaufgang in der Hofholzallee.

von |Januar 3rd, 2014|Allgemein|Kommentare deaktiviert für Morgen in Kiel|