Niemand, der die Altersgrenze von sechs Jahren überschritten hat, kann ohne Zuhilfenahme von Stimmungsaufhellern so frohgemut in die Welt gucken und gehen wie Menahem Pressler. Als der Pianist am Freitagabend − mit eben diesem Blick und Gang − den Saal der Philharmonie betrat, wurde die Winternacht zum Sommertag, und schon der Auftrittsapplaus des Publikums dauerte so lange wie bei manchen Künstlern der Schlussapplaus. Einige Gäste erhoben sich sogar von ihren Plätzen. Das war dem Anlass durchaus angemessen, denn Pressler − mehr als ein halbes Jahrhundert lang der Pianist des Beaux Arts Trios, ein Kammermusiker, den die größten Virtuosen seiner Zunft bewundert haben − gab bei den Berliner Philharmonikern unter der Leitung von Semjon Bytschkow sein Debüt als Solist. Am 16. Dezember ist er neunzig Jahre alt geworden (Berliner Zeitung).
BERLINER PHILHARMONIKER
SEMYON BYCHKOV Dirigent
MENAHEM PRESSLER Klavier
Wolfgang Amadeus Mozart
Konzert für Klavier und Orchester G-Dur KV 453
Dmitri Schostakowitsch
Symphonie Nr. 11 g-Moll op. 103 »Das Jahr 1905«
Menahem Pressler wurde 1923 in Magdeburg geboren und emigrierte 1939 nach Israel, wo er u. a. bei Eliahu Rudiakov und Leo Kestenberg Klavier studierte. Nachdem er beim Internationalen Debussy-Wettbewerb in San Francisco 1946 mit dem 1. Preis ausgezeichnet worden war, folgte sein Amerika-Debüt beim Philadelphia Orchestra (Dirigent: Eugene Ormandy). Zahlreiche Auftritte bei international bedeutenden Orchestern in den USA und in Europa schlossen sich an. Menahem Pressler verfolgte bereits fast 10 Jahre lang eine erfolgreiche Solo-Laufbahn, als er seine beispiellose Karriere als Kammermusiker begann: Als Gründungsmitglied des Beaux Arts Trios, mit dem er 1955 beim Berkshire Music Festival debütierte, war der Künstler für 55 Jahre lang als einziger Pianist verbunden; das legendäre Klaviertrio, dem zuletzt auch Daniel Hope (Violine) und Antonio Meneses angehörten, existierte bis 2008. Neben seinen Konzerten mit dem Beaux Arts Trios spielte Menahem Pressler viele Konzerte mit dem Juilliard String Quartet, dem Emerson String Quartet, dem Guarneri-Quartet, dem Cleveland Quartet, dem Israel Quartet und dem Pasquier Streichtrio. Seit fast 60 Jahren unterrichtet er an der Jacobs School of Music der Indiana University, zuletzt im Rang eines »Distinguished Professor«; zudem wurde ihm u. a. von der Manhattan School of Music, der University of Nebraska, dem San Francisco Conservatory of Music und der North Carolina School of the Arts der Ehrendoktortitel verliehen. Zu den weiteren Auszeichnungen Menahem Presslers zählen der »Gramophone Lifetime Achievement Award« und die »Gold Medal of Merit from the National Society of Arts and Letters«; 2005 wurde der Musiker vom französischen Kulturministerium zum »Chevalier dans l’Ordre des Arts et des Lettres« ernannt, im selben Jahr wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse geehrt. Im September 2012 wurde Menahem Pressler die deutsche Staatsangehörigkeit verliehen; in den Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker ist er nun erstmals zu erleben.
